Gegenseitige grenzüberschreitende Besicherung der Trinkwasserversorgung

Mit dem "Frankreichjahr" feiert das Saarland 50-jähriges Jubiläum des Elysée-Vertrages. Sicherlich ist hier die grenzüberschreitende Besicherung der Trinkwasserversorgung ein gutes Beispiel der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Dabei handelt es sich hier nicht um eine "reine" Lieferung, sondern um die "Garantie", dass wenn ein Kooperationspartner ein ungewöhnliches Problem hat, der andere sofort helfen kann.

"Wir freuen uns, mit der Unterzeichnung der "Kooperationsvereinbarung zur gegenseitigen grenzüberschreitenden Besicherung der Trinkwasserversorgung" zwischen der Stadtwerke Bliestal GmbH und dem Syndicat Intercommunal des Eaux de Volmunster einen wichtigen Meilenstein für die künftige gemeinsame Zusammenarbeit gelegt zu haben", so Geschäftsführer Bernhard Wendel.

 Der französische Trinkwasserversorger Syndicat Intercommunal des Eaux de Volmunster und die Stadtwerke Bliestal GmbH werden zukünftig grenzüberschreitend bei der Trinkwasserversorgung zusammenarbeiten. Dieser in Europa einmaligen Kooperation wurde im Stadtrat Blieskastel und im Gemeinderat Gersheim zugestimmt. 

Der französische Trinkwasserversorger, Syndicat Intercommunal des Eaux de Volmunster, und die Stadtwerke Bliestal GmbH haben sich zusammengefunden und eine grenzüberschreitende Lösung konzipiert. 

Mit der im Gemeinderat von Blieskastel und Gersheim beschlossenen Kooperationsvereinbarung wird eine in Europa einmalige grenzüberschreitende Zusammenarbeit von zwei Trinkwasserversorgern vereinbart. In dieser Gemeinschaftsarbeit gehören hohes Vertrauen in die deutsch-französische Kooperation der beiden Unternehmen und der handelnden Personen.

Für die Stadtwerke Bliestal ist dies ein wichtiger Schritt für eine hohe Zuverlässigkeit in die Trinkwasserversorgung der grenznahen Region von Blieskastel und Gersheim. 

So investieren die Stadtwerke Bliestal in Rohwasserförderung, &aufbereitung und Netze 1,27 Mio. € und das Syndicat Intercommunal des Eaux de Volmunster 3,43 Mio. € für Rohwasserförderung und &aufbereitung, Netze und Hochbehälter. Die Gesamtinvestition für die grenzüberschreitende Besicherung von fast 4,7 Mio. € wurden im EU-Förderprogramm INTERREG IV-A angemeldet und werden mit 35 % bezuschusst. Die Investitionen auf deutscher Seite werden zusätzlich mit 15 % von dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz bezuschusst. Die französischen Investitionen werden noch von dem Conseil Général de la Moselle und der Agence de l’Eau Rhin Meuse unterstützt. 

Wir leben mitten in Europa, direkt an der deutsch-französischen Grenze. Da stellt sich die Frage, wie unsere französischen Nachbarn die Trinkwasserversorgung organisiert haben. Grundlage der Trinkwasserversorgung in der Europäischen Union ist die Wasserrahmenrichtlinie. Diese haben alle Mitglieder der EU einzuhalten. In der Umsetzung in nationales Recht wird die Wasserrahmenrichtlinie jedoch unterschiedlich interpretiert. In Deutschland sind die Trinkwasserverordnung 2011 und in Frankreich die D.D.A.S.S. de la MOSELLE maßgebend. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Verordnungen, Rechtsnormen und technische Regelwerke. Insbesondere das Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) setzt hohe technische Maßstäbe an die Trinkwasserversorgung und der darin eingesetzten Materialien und Organisationen. Nachbarstaaten und internationale Staaten werten diese Regelwerke dadurch auf, dass sie vieles daraus übernehmen.  

Aber gerade wenn die Standards unterschiedlich sind, dann ist eine Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinaus oft sehr schwierig bzw. lässt Projekte scheitern. 

Wenn, wie im vorliegenden Fall, Trinkwasserlieferungen über die nationalen Grenzen hinaus erfolgen, dann müssen auf beiden Seiten alle Gesetze und Normen für die Trinkwasserversorgung ständig eingehalten werden.  

Die Qualität der Trinkwasserversorgung hängt auch sehr stark von den Wassergewinnungsgebieten ab. Hier hat unsere Region gute Voraussetzungen. Wenn jedoch durch Einflüsse von außen das Grundwasser verunreinigt wird (z. B. durch einen Unfall), dann entsteht, wenn geografisch nur ein Gewinnungsgebiet vorhanden ist, eine Notlage. Dieses Problem haben kleine Trinkwasserversorger unabhängig über Landesgrenzen hinweg. Wenn nun zwei "kleine" Wasserversorger (Netze) nebeneinander liegen, dann macht es Sinn, wenn sich beide gegenseitig helfen und das sollte unabhängig von nationalen Grenzen sein.

Das Konzept: 

Über jeweils eine Vorratskammer, in einem noch zu errichtenden Hochbehälter auf französischer Seite, bewirtschaften beide Unternehmen getrennt ihre Netze. Kommt es nun zu einem Störfall (Förderung fällt aus oder hoher Löschwasserbedarf) dann verbinden Schieber automatisch die beiden Kammern und sichern somit die Trinkwasserversorgung des anderen Partners (Besicherung). 

Damit im Extremfall die Besicherung auch über einen längeren Zeitraum erfolgen kann, müssen beide Kooperationspartner ihre Trinkwasserversorgung und zugehörigen Netze auf die Situation anpassen.

Stadtwerke Bliestal GmbH | Bliesgaustraße 13 - 66440 Blieskastel