Stadtwerke Bliestal GmbH plant neue Biogasanlage

Erneuerbaren Energie für Strom und Wärme

Die Stadtwerke Bliestal GmbH plant in Kooperation mit enovos Deutschland AG und der Stadtwerke Saarbrücken eine neue Bioerdgas-Anlage im interkommunalen Gewerbegebiet der Stadt Blieskastel und der Gemeinde Mandelbachtal an der B 423. Mit der 1,4 MWel großen Anlage sollen etwa 300 bis 400 Kubikmeter Bioerdgas in der Stunde in die bestehende Gashochdruckleitung eingespeist werden. Der größte Anteil des Biogases wird in Blockheizkraftwerken eingesetzt. Diese erzeugen dann aus der erneuerbaren Energie für etwa 1.200 Haushalte Wärme und für rund 3.800 Haushalte Strom, was etwa der Hälfte der Erdgas- und Stromkunden der Stadtwerke Bliestal entspricht.

Als Substrat für die Biogasanlage werden nachwachsende Rohstoffe eingesetzt. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Mais, Gras, Ganzpflanzen und Sonnenblumen. Der unterschiedliche Einsatz von Naturprodukten und eine sinnvolle Fruchtfolge auf den landwirtschaftlichen Flächen sollen einer Monokultur vorbeugen. Die Abfälle aus der Biomasse der Fermenter können als biologischer Dünger wiederverwendet werden. Da die Anlage gasdicht ausgeführt wird und auch die geruchsintensiven Bestandteile der Gärreste durch Bakterien zersetzt werden, können Geruchsemissionen fast ausgeschlossen werden.

In der Erntezeit, welche meist nicht länger als 10 bis 12 Tage dauert, werden mehr landwirtschaftliche Fahrzeuge auf den Straßen zu sehen sein. Deshalb wurde der Standort in die Mitte der Anbaugebiete gelegt. Damit kann die Anlage sternförmig angefahren und die Verkehrsbelastung verteilt werden.

Es ist geplant die Anlage im Jahr 2011 zu errichten und die Produktion mit der ersten Ernte im Jahr 2012 aufzunehmen. Die Biogasanlage stärkt nicht nur die Wirtschaftskraft der Region sondern auch die Landwirte, Handwerker und Gewerbebetriebe werden vom Betrieb der Anlage profitieren.

 

 

Weitere Erläuterungen

Was hat die Stadtwerke Bliestal GmbH bewegt eine Biogasanlage zu planen?

Zentrales Thema der Stadtwerke Bliestal ist die Frage, wie den Problemen eines zukünftigen Energiebedarfs begegnet werden kann. So wurde bereits im Jahr 1987 ein Energiekonzept für Blieskastel entwickelt und komplett umgesetzt. Inzwischen hat es in der Energietechnik neue Entwicklungen gegeben. Die wichtigen Themen heute sind: Fotovoltaik, Kraftwärmekopplung (stromerzeugende Heizung), Geothermie, Windkraft und Bioenergie. In allen Bereichen engagieren sich die Stadtwerke Bliestal.

In unserer ländlichen Umgebung kann die Natur uns in punkto Energie-versorgung hervorragende Dienste leisten. Es bietet sich deshalb an, nachwachsende Rohstoffe für eine CO2-neutrale Energieerzeugung einzusetzen. Somit tragen wir zu einem nachhaltigen Klimaschutz bei, der den zukünftigen Generationen zu Gute kommt und uns ein Stück Unabhängigkeit bringt, aber auch unsere wertvollen landschaftlichen Flächen in unserer Region erhält.


Wie funktioniert die Biogasanlage?

Der Landwirt stellt das sogenannte Substrat als Biomasse zur Verfügung. Damit ein kontinuierlicher Betrieb über das ganze Jahr gewährleistet werden kann, wird die Biomasse durch einen natürlichen Silierprozess haltbar gemacht. Durch einen ständigen Eintrag in einen hermetisch abgeschlossenen Fermenter vergären verschiedene Mikroorganismen das Material unter Wärmezufuhr und Sauerstoffabschluss. Dabei kann der Fermenter mit einem Kuhmagen verglichen werden. Das entstehende Gas besteht zu rund 50 bis 60 Prozent aus Methan. Dem gewonnenen Rohgas wird in einer hochtechnischen Anlage die restlichen Bestandteile wie Wasser, CO2 sowie geringe Anteile von Schwefelwasserstoff entzogen und dann in das Erdgasnetz eingespeist. Somit kann das erzeugte Biogas in nahezu beliebigen Distanzen zum Endverbraucher transportiert werden. Da nur die organischen Stoffe im Vergärungsprozess abgebaut werden, enthält der Gärrest noch alle wichtigen Nährstoffe, wie z. B. Stickstoff, Phosphor, Kalium und andere Spurenelemente. Dieser kann wieder als hochwertiger Dünger auf die Felder aufgetragen werden.

Gegenüber rein landwirtschaftlichen Biogasanlagen unterscheidet sich die geplante Anlage in der Nutzung des Biogases. Das Rohgas wird nicht direkt auf der Anlage in einem stromerzeugenden Blockheizkraftwerk verwendet, sondern zuerst in Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist. Somit wird das Biogas an den Stellen wieder entnommen, wo auch die Abwärme genutzt werden kann oder auch als Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge verwendet werden. Das Aufbereitungsverfahren kann jedoch erst ab einer bestimmten Größenordnung der Biogasanlage wirtschaftlich betrieben werden. Deshalb ist eine Anlage mit einer Leistung von 1,4 MWel geplant.


Wie viel Erneuerbare Energie kann die Anlage erzeugen?

Sinnvollerweise wird der größte Anteil des Biogases in Blockheizkraftwerke eingesetzt. Diese erzeugen dann aus der erneuerbaren Energie für ca. 1.200 Haushalte die Wärme, was etwa die Hälfte der Erdgaskunden der Stadtwerke Bliestal wäre und für ca. 3.800 Haushalte Strom, was ebenfalls die Hälfte der Stromkunden der Stadtwerke Bliestal darstellt.


Wo wird der Standort der Anlage sein?

Die Anlage soll auf dem interkommunalen Gewerbegebiet Blieskastel/Mandelbachtal auf der Mandelbachtaler Seite errichtet werden.


Welchen landwirtschaftlichen Flächenbedarf hat die geplante Anlage?

Zur Beschickung dieser Anlage werden etwa 20.000 bis 25.000 Tonnen Substrate im Jahr erforderlich sein. Dazu sind rund 800 Hektar landwirtschaftliche Fläche, für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen notwendig.


Ist die Biogasanlage mit der von der UNESCO anerkannten
Biosphärenregion vereinbar?

Ein Entwicklungsziel der Biosphäre ist die auf europäischer Ebene vergebene Nachhaltigkeitsstrategie. Weitere Ziele sind die Sicherung der Lebensqualität auf dem Land sowie die Steigerung der regionalen Wertschöpfung. Deshalb wurde der Saarpfalz-Kreis für den Biomasse-Masterplan des Ministeriums für Umwelt als Modell-Landkreis im Saarland ausgewählt. Biosphäre und Biogasanlage schließen sich somit nicht aus, sondern ergänzen sich.


Ist mit einer Maismonokultur auf den Ackerflächen zu rechnen?

Mais ist sicherlich eine wichtige Energiepflanze. Ziel ist aber eine nachhaltige und vielfältige Landwirtschaft. Mit einer durchdachten, ökologischen Fruchtfolge im Anbau von Energiepflanzen und mit einem kontrollierten Nährstoffkreislauf soll einer Maismonokultur vorgebeugt werden. So können außer Mais auch Gras, Feinschnittroggen, Futterhirse und Ganzpflanzensilage eingesetzt werden. Hier sind in Zukunft noch große Zuchterfolge zu erwarten.


Was heißt Nährstoffkreislauf?

Im Vergleich zur Verbrennung von Biomasse - beispielsweise Holz - bleiben sämtliche Nährstoffe erhalten, so dass eine nutzbringende Rückführung als Dünger in den landwirtschaftlichen Kreislauf möglich ist. Bei Einsatz nachwachsender Rohstoffe kann somit ein nahezu geschlossener Nährstoffkreislauf erreicht werden, der eine Ressourcen schonende Einsparung an Mineraldünger ermöglicht. Die Ackerfrucht kommt in den Behälter, die Gärreste schließlich wieder auf das Feld – mehr Kreislauf geht nicht.

CO2-Reduktion und geschlossener Kreislauf, wie ist das zu verstehen?

Der Unterschied zu fossilen Energieträgern ist die Biogasgewinnung eine regenerative Energieform, welche als nahezu CO2-neutral zu bezeichnen ist. Bei der Biogas-Verbrennung ergibt sich ein so genannter geschlossener Kohlenstoffkreislauf, da nur Kohlendioxid (CO2) freigesetzt wird, welches zuvor durch die nachwachsenden Rohstoffe von der Pflanze bei ihrem Wachstum die Luft entzogen wurde.


Wird die Anlage eine erhöhte Verkehrsbelastung erzeugen?

In der Erntezeit, welche meist nicht länger als 10 bis 12 Tage dauert, werden mehr landwirtschaftliche Fahrzeuge auf den Straßen zu sehen sein. Deshalb wurde der Standort in die Mitte der Anbaugebiete gelegt. Somit wird die Anlage sternförmig angefahren, so dass sich die Verkehrsbelastung verteilt. Es werden jedoch auch nicht mehr landwirtschaftliche Flächen als jetzt schon bewirtschaftet, die Termine der Ernte werden sich lediglich verschieben.


Haben Nachbarn mit Geruchsbelästigungen zu rechnen?

Da die Anlage gasdicht ausgeführt wird und auch die geruchsintensiven Bestandteile der Gülle durch Bakterien zersetzt werden, können Geruchsemmissionen fast ausgeschlossen werden. Auch das gelagerte Substrat verursacht in der näheren Umgebung keine Geruchsbelästigung.

Wir haben zwischenzeitlich zwei Besichtigungsfahrten zu einer in Betrieb befindlichen Biogasanlage in Mühlacker durchgeführt. Hier waren verschiedene Gruppierungen eingeladen. So informierten sich Landwirte in erster Linie über die Erfahrungen mit der Substratlieferung und kommunale Mandatsträger aus dem Stadtrat Blieskastel, Aufsichtsrat der Stadtwerke Bliestal, Gemeinderat Mandelbachtal und den Ortsräten aus Erfweiler, Aßweiler und Biesingen über die Funktionsweise und Auswirkungen auf die Nachbarschaft. Durch die direkte Einsichtnahme einer in Betrieb befindlichen Anlage und die ausführlichen Informationen konnten viele Bedenken ausgeräumt werden.

Was haben die Landwirte und die regionale Wirtschaft von der Anlage?

Auf der Anlage werden zwei bis drei Arbeitsplätze entstehen. Langfristig kann die Existenz von ca. 30 Landwirten und deren Familien gesichert werden. Zusätzlich werden bei dem Bau und Betrieb der Biogas-Anlage örtliche Firmen davon profitieren.

Wie sieht die weitere Planung?
 
In den nächsten Wochen werden die Stadtwerke Bliestal mit ihrem Kooperationspartner enovos Deutschland AG und der Stadtwerke Saarbrücken über das weitere Vorgehen beraten. Wir gehen davon aus, dass die Anlage im Jahr 2011 errichtet und die erste Ernte im Jahr 2012 eingelagert werden kann. Danach soll mit der Produktion von Biogas begonnen werden.

 

Bioerdgas – regenerative Energie mit Zukunft im Saarland

Hier sehen Sie eine kurze Aufzeichnung des VEW Saar von der Veranstaltung am  24. März 2010.

 

 

 

 


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