Eine Frage des Lifestyles

Mineralwasser tritt im Test gegen Leitungswasser an

Mineralwasser liegt im Trend. In den vergangenen 40 Jahren hat sich der Konsum mehr als verzehnfacht. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch stieg seit den 70er-Jahren von 12,5 auf heute 130 Liter. Insgesamt setzt die Branche jedes Jahr 13 Milliarden Liter ab. Besonders zugelegt haben die stillen Wässer. Von den mehr als drei Milliarden Euro Umsatz entfallen heute mehr als zehn Prozent auf die Stillen.

Schmeckt das Wasser aus der Flasche besser als das aus der Leitung? Gibt es Unterschiede zwischen einem in Designer-Flaschen abgefüllten teuren Luxuswasser vom norwegischen Gletscher und dem Sprudel vom Discounter?

Wie subjektiv Trinkwasser wahrgenommen wird, testete das Institut für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung (I.E.S.K.) gemeinsam mit der Gelsenwasser AG in einer Blindverkostung. 524 Teilnehmer traten zum Test an und kosteten insgesamt 24 Mineral und 22 Leitungswässer. Stets wurde den Probanden das örtliche Leitungswasser angeboten, mit dabei waren mindestens zwei Luxus-, zwei Standard- und ein Mineralwasser vom Discounter. Die Testpersonen mussten identifizieren, ob es sich um
Leitungs-, Tafel- oder Mineralwasser handelt. Geruch und Geschmack waren zu bewerten, und als Gesamturteil konnte eine Schulnote von eins bis sechs mit Zwischenwerten vergeben werden.

In den insgesamt 23 Testrunden belegte Leitungswasser achtmal Platz eins, siebenmal den zweiten und fünfmal den dritten Platz. Als Gesamtnote erhielt das Nass aus der Leitung als Sieger eine 2,4. Markenmineralwasser wurde mit 2,69, Luxusmineralwasser mit 2,93 und die Flaschen vom Discounter mit 3,24 bewertet. Im Einzelvergleich schnitten lediglich die Luxuswässer Finé Artesian Water von Fuji sowie das Fiji Natural Artesian Water besser ab als Leitungswasser. Wasser aus PET-Flaschen wurde deutlich schlechter als jenes aus Glasflaschen bewertet. Fazit des Tests: Am Geschmack liegt es
offenbar nicht, wenn die Deutschen ihren Durst eher aus der Mineralwasserflasche als aus der Leitung löschen. Den Unterschied macht das Image. Wasser aus der Flasche entspricht stärker einem Trend, der mit Fitness und Attraktivität verbunden ist.

Die Deutschen können heute aus rund 600 heimischen Mineralwasser-Marken wählen. Zusätzlich gibt es eine riesige Palette an ausländischen Angeboten, darunter Luxusprodukte aus Kanada, den USA, Norwegen und auch von den Fidschi-Inseln. Die teuersten Sorten kosten bis zu 300 Euro. Dafür gibt es die flüssigen Kostbarkeiten in aufwendigen Kreationen namhafter Designer. Auch wenn 300 Euro eher als Ausnahme
gelten, sind für ein Luxuswasser als Lifestyle-Produkt Preise von 20 Euro pro Flasche keine Seltenheit: 10000 Mal mehr, als ein Liter Leitungswasser kostet. Selbst ein 15 Cent teures Discounterwasser ist noch 65 Mal teurer als jenes aus der Leitung.

Quelle: DIE WELT / Autor: Jürgen Mundt


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